Frankfurt Dresden Dance Company - Jacopo Godani

Frankfurt Dresden Dance Company ::Metamorphers / Echoes from a restless soul / Moto Perpetuo

Diesen dreiteiligen Ballettabend der Dresden Frankfurt Dance Company zeichnete ein unzerbrechlicher Bund zwischen Musik und Choreografie aus: Drei abstrakte Ballette in der Choreografie von Jacopo Godani mit Musik von Béla Bartók, Maurice Ravel und 48nord.

In Metamorphers hat Godani Béla Bartóks Streichquartett Nr. 4 (1928) aufgegriffen. Bartóks Streichquartette zählen zu den Höhepunkten der Kammermusik des 20. Jahrhunderts. Für die zeitgenössische Musik sind der Einfluss und das Vermächtnis dieser beispiellosen musikalischen Kreationen facettenreich und stellen besondere Herausforderungen für MusikerInnen, InterpretInnen und Zuhörende dar. Für Diego Ramos Rodríguez, Violinist im Ensemble Modern, erstreckt sich der rhythmische, melodische und strukturelle Reichtum sowie die Komplexität der Kompositionen über die Grenzen der schriftlichen Partitur hinaus und entfaltet sich erst im Zuge eines intensiven Aufführungs- und Hörerlebens.

Bartók, einer der weltweit bedeutendsten Komponisten und musikalischen Gelehrten des 20. Jahrhunderts, offenbart sein Genie durch die fünf sich spiegelnden Bewegungen des 4. Streichquartetts. Jeder der fünf Sätze besitzt individuell ausgeprägte Eigenarten und führt den Begriff der musikalischen Synkopierung zur höchsten Perfektion. Eine dominierende Musikalität dringt in die Choreografie ein und reflektiert Bartóks Komposition während Godani mit Natürlichkeit und Spontanität spielt und dabei eine große Verdichtung des choreografischen Materials erreicht. Das Kompositionselement der Synkopierung prägt nicht nur die Musik. Es zeigt sich auch in der Beziehung zwischen den Schritten und der Musik, die einander synkopieren und ergänzen. Die Choreografie macht das Puzzle von Bartóks Partitur sichtbar, sodass beide miteinander verschmelzen können. Metamorphers ist zweifellos ein musikalisches Werk: In ihm wird der Tanz zur Melodie der Musik. Bartóks Partitur wird live aufgeführt.

Echoes from a Restless Soul wird zu Le Gibet und Ondine aus Gaspard de la Nuit aufgeführt, eine Komposition für Soloklavier von Maurice Ravel aus dem Jahre 1908. Die Basis für dieses Meisterwerk - eine der schwierigsten Klavierpartituren überhaupt - ist ein französisches Gedicht von Aloysius Bertrand. Eine unglaubliche Virtuosität aufbauend, erweckt Ravel Bertrands Gedicht durch eine gleichzeitig innovative als auch klassische Klaviertechnik zum Leben. Trotz der sehr klassischen Struktur von Gaspard de la Nuit werden Atmosphären, dramatische Intensitäten und Bilder transportiert, die an albtraumhafte Gestalten erinnern.

In dieser unheimlichen Jenseitigkeit zeigen Godani und die Kompanie verschiedene Pas de Deux und Quartette, die gemeinsam eine Landschaft der Virtuosität umreißen. Durch sie werden unendliche Kombinationen einer formalen Beziehung, dem Pas de Deux, dargeboten. Godani verstärkt Bewegung durch Spitzenschuhe, während er eine außergewöhnliche Freiheit innerhalb bestimmter ästhetischer Parameter, wie denen eines eher klassischen Ansatzes, schafft. Die choreografischen Elemente in Echoes stellen einen roten Faden dar, der sich in dieser Atmosphäre jenseits von Zeit und Ort auflöst. Ravels Partitur wird live von Ruslan Bezbrozh, Korrepetitor der Dresden Frankfurt Dance Company und renommierter Konzertpianist, aufgeführt.

Den Abschluss des Abends bildete Moto Perpetuo, eine Choreografie mit einer eindrucksvollen neoklassischen Matrix, die es klassischer Balletttechnik ermöglicht, sich auf zeitgenössische Formen hinzubewegen. Durch intensive Gruppenpassagen, in die das ganze Ensemble eingebunden ist, und kraftvollen körperlichen Einsatz, enthüllte dieses atemberaubende Stück die künstlerische Essenz und den Charakter der Kompanie. Für diese Produktion arbeitete Godani erneut mit dem Komponistenduo 48nord zusammen, die der Choreografie mit einem faszinierenden elektronischen musikalischen Horizont begegnen.

Text von Luisa Sancho Escanero. Die Autorin bedankt sich bei Diego Ramos Rodríguez, Ensemble Modern, für seine musikalische Beratung und theoretische Unterstützung in Bezug auf Béla Bartóks Streichquartette.


Metamorphers

Licht, Bühne, Kostüme Jacopo Godani
Musik Béla Bartók, Streichquartett Nr. 4 
live gespielt von Ensemble Modern (Aida-Carmen Soanea - Viola, Michael M. Kasper - Violoncello, Jagdish Mistry - Violine, Diego Ramos Rodriguez - Violine)
Dauer 25 Minuten / 13 Tänzerinnen und Tänzer
Uraufführung: 16. November 2016, Dresden Frankfurt Dance Company, Frankfurt am Main, Bockenheimer Depot

Echoes from a Restless Soul 

Licht, Bühne, Kostüme Jacopo Godani
Musik Maurice RavelOndine & Le Gibet aus Gaspard de la Nuit 
live gespielt von Svatoslav Korolev
Dauer 15 Min / 4 Tänzerinnen und Tänzer
Uraufführung: 16. November 2016, Dresden Frankfurt Dance Company, Frankfurt am Main, Bockenheimer Depot


Moto Perpetuo

Licht, Bühne, Kostüme Jacopo Godani
Musik 48nord (Ulrich Müller & Siegfried Rössert)
Dauer 24 Min / 16 Tänzerinnen und Tänzer
Uraufführung: 16. November 2016, Dresden Frankfurt Dance Company, Frankfurt am Main, Bockenheimer Depot

Metamorphers / Echoes from a Restless Soul / Moto Perpetuo

Choreografien Jacopo Godani

Metamorphers

Licht, Bühne, Kostüme Jacopo Godani
Musik Béla Bartók, Streichquartett Nr. 4 
live gespielt von Ensemble Modern (Aida-Carmen Soanea - ViolaMichael M. Kasper - VioloncelloJagdish Mistry - ViolineDiego Ramos Rodriguez - Violine)
Dauer 25 Minuten / 13 Tänzerinnen und Tänzer
Uraufführung: 16. November 2016, Dresden Frankfurt Dance Company, Frankfurt am Main, Bockenheimer Depot

Echoes from a Restless Soul 

Licht, Bühne, Kostüme Jacopo Godani
Musik Maurice RavelOndine & Le Gibet aus Gaspard de la Nuit 
live gespielt von Svatoslav Korolev
Dauer 15 Min / 4 Tänzerinnen und Tänzer
Uraufführung: 16. November 2016, Dresden Frankfurt Dance Company, Frankfurt am Main, Bockenheimer Depot


Moto Perpetuo

Licht, Bühne, Kostüme Jacopo Godani
Musik 48nord (Ulrich Müller & Siegfried Rössert)
Dauer 24 Min / 16 Tänzerinnen und Tänzer
Uraufführung: 16. November 2016, Dresden Frankfurt Dance Company, Frankfurt am Main, Bockenheimer Depot

In Kooperation mit dem Ensemble Modern 
Eine Koproduktion der Dresden Frankfurt Dance Company mit dem Teatro Arriaga, Bilbao